Grundlagen guten Justizmanagements in der Schweiz

Summary of the project in english
Résumé de project en français

Das Forschungsprojekt «Grundlagen guten Justizmanagements in der Schweiz» startete Anfang Mai 2012 und wurde Ende April 2016 erfolgreich abgeschlossen. Am Projekt, welches vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstützt wurde, waren sechs Universitäten (Bern, Lausanne, Luzern, St. Gallen, Utrecht und Zürich) beteiligt sind. Die Projektleitung lag beim Kompetenzzentrum für Public Management (KPM) der Universität Bern. 

In der Schweiz fehlten zuvor über weite Bereiche empirische und theoretische Erkenntnisse über die Funktionsweise der Justiz und ihre Interaktion mit der Gesellschaft bzw. mit besonderen gesellschaftlichen Zielgruppen. Was das Grundlagenwissen über die Justiz betrifft, lag die Schweiz weit hinter anderen Staaten zurück. Entwicklungen in der öffentlichen Verwaltung haben gezeigt, dass das Befassen mit Justizmanagement in Zukunft unausweichlich sein wird. Ohne ein besseres Grundlagenwissen über das Justizsystem ist die Entwicklung von spezifischen Managementmodellen für die Justiz jedoch nicht möglich. Deshalb war das Hauptziel des Projektes, Grundlagenwissen über die schweizerische Justiz als Subsystem der demokratischen Gesellschaft und als Organisation zu erarbeiten. Diese Grundlagenforschung erfolgte im Hinblick auf die Entwicklung von Managementmodellen für die Justiz. Vom Forschungsprojekt wurden zudem grundlegende methodische Erkenntnisse zur Justizforschung erwartet.

Die sich im Projekt stellenden Fragen wurden interdisziplinär angegangen. Um von aussen einen Einblick in das Justizsystem zu erhalten, wurde die Interaktion von rechtswissenschaftlichen, soziologischen, makroökonomischen, psychologischen, historischen und politologischen Aspekten berücksichtigt. Zudem kann die Forschung zur Funktionsweise der Justiz, zu deren Organisation, den internen Prozessen und der Interaktion zwischen den im System arbeitenden Personen nur in einem interdisziplinären Ansatz erfolgen. Der Aufbau des Forschungsprojekts folgte – entsprechend mehreren anerkannten Managementmodellen – einer Unterteilung in die Untersuchung der Binnenorganisation der Justiz einerseits und des Umfeldes andererseits. Die Untersuchung bezüglich der Binnenorganisation befasste sich mit den Elementen Ressourcen, Prozesse, Organisation (Struktur) und Kultur. Das Projekt baute entsprechend auf fünf interdisziplinär arbeitenden, auf bestimmte Fragestellungen ausgerichteten Teilprojekten auf. Die interne Kohärenz und die externe Vernetzung wurden mittels einer Gesamtprojektleitung, einem Querschnittsprojekt und zwei Koordinationsgruppen sichergestellt.

Die durch das Projekt gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnisse wurdenin folgenden Gefässen gesichert und der wissenschaftlichen Gemeinschaft zur Verfügung gestellt:

  • Erkenntnisse zu Einzelfragen in den Teilprojekten und im Querschnittsprojekt: Dissertationen, Aufsätze in Fachzeitschriften, wissenschaftliche Arbeitspapiere, Berichte von Forschungsworkshops;
  • Zusamenfassung der Erkenntnisse jedes Teilprojekts bzw. des Querschnittsprojekts: Bericht, Monografie oder Sammelband der Teilprojektleitenden, wo die wesentlichen Erkenntnisse aus dem Teil-/Querschnittsprojekt zusammenfasst werden;
  • Erkenntnisse des Gesamtprojekts: Zusammenfassender Bericht (Monografie) der Gesamtprojektleitung, voraussichtlich mit drei Teilen (Grundlagen, Methodik, Managementmodell)

 Aus dem Forschungsprojekt lassen sich folgende zentralen Folgerungen für das Justizmanagement ableiten: Erstens bestehen an Gerichten verschiedene Rationalitäten, Wertvorstellungen, Kulturen oder Welten. Wenn die Welt des Managements mit der Welt des Rechtsstaats – im Sinne der gegenseitigen Sozialisierung – auf einander zugehen und von einander lernen, kann daraus ein fruchtbarer Boden für das Justizmanagement entstehen. Zweitens heisst Optimierung des Justizmanagements vor allem auch Professionalisierung. Gerade grössere Gerichte sind auf ein professionelles Justizmanagement angewiesen – zur Entlastung der nicht mit Führungsaufgaben betrauten Richterinnen und Richter. Diesen steht dann mehr Zeit für die Kernaufgabe, die Rechtsprechung, zur Verfügung. Dies bedeutet aber für die Richterschaft, Management-Kompetenzen an die Justizverwaltung zu delegieren. Drittens lassen sich für die Verwaltung konzipierte Management-Modelle nicht unbesehen auf die Justiz übertragen – und schon gar nicht solche aus der Privatwirtschaft. Vielmehr bedarf es eines eigenständigen, behutsamen/umsichtigen Management-Modells für die Justiz – eines, das die Richterinnen und Richter wollen, weil es ihnen für die Rechtsprechung dient und sie entsprechend darin einen Nutzen sehen.

 

 

Die konsolidierten Forschungsergebnisse wurden in der Schriftenreihe zur Justizforschung publiziert: "Justiz zwischen Management und Rechtsstaat"

 

Eine Liste sämtlicher während des Projekts entstandenen Publikationen finden Sie hier.

 

Der wissenschaftliche Schlussbericht zum Forschungsprojekt finden Sie hier.

 

Im Schweizerischen Zentralblatt für Staats- und Verwaltungsrecht finden Sie eine Rezension zur Publikation "Justiz zwischen Management und Rechtsstaat":
Mächler August, Besprechung, in: Schweizerisches Zentralblatt für Staats- und Verwaltungsrecht (ZBl) 9/2016, S. 506 ff.