Grundlagen guten Justizmanagements in der Schweiz

Summary of the project in english
Résumé de project en français

Anfangs Mai 2012 startete das Forschungsprojekt «Grundlagen guten Justizmanagements in der Schweiz», an welchem sechs Universitäten beteiligt sind. Die Projektleitung liegt beim Kompetenzzentrum für Public Management (KPM) der Universität Bern. Das Projekt wird vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstützt und dauert vier Jahre.

In der Schweiz fehlen zurzeit über weite Bereiche empirische und theoretische Erkenntnisse über die Funktionsweise der Justiz und ihre Interaktion mit der Gesellschaft bzw. mit besonderen gesellschaftlichen Zielgruppen. Was das Grundlagenwissen über die Justiz betrifft, liegt die Schweiz weit hinter anderen Staaten zurück. Entwicklungen in der öffentlichen Verwaltung haben gezeigt, dass das Befassen mit Justizmanagement in Zukunft unausweichlich sein wird. Ohne ein besseres Grundlagenwissen über das Justizsystem ist die Entwicklung von spezifischen Managementmodellen für die Justiz jedoch nicht möglich. Deshalb ist das Hauptziel des Projektes, Grundlagenwissen über die schweizerische Justiz als Subsystem der demokratischen Gesellschaft und als Organisation zu erarbeiten. Diese Grundlagenforschung erfolgt im Hinblick auf die Entwicklung von Managementmodellen für die Justiz. Vom Forschungsprojekt werden zudem grundlegende methodische Erkenntnisse zur Justizforschung erwartet.

Die sich im Projekt stellenden Fragen werden interdisziplinär angegangen. Um von aussen einen Einblick in das Justizsystem zu erhalten, wird die Interaktion von rechtswissenschaftlichen, soziologischen, makroökonomischen, psychologischen, historischen und politologischen Aspekten berücksichtigt. Zudem kann die Forschung zur Funktionsweise der Justiz, zu deren Organisation, den internen Prozessen und der Interaktion zwischen den im System arbeitenden Personen nur in einem interdisziplinären Ansatz erfolgen. Der Aufbau des Forschungsprojekts folgt – entsprechend mehreren anerkannten Managementmodellen – einer Unterteilung in die Untersuchung der Binnenorganisation der Justiz einerseits und des Umfeldes andererseits. Die Untersuchung bezüglich der Binnenorganisation befasst sich mit den Elementen Ressourcen, Prozesse, Organisation (Struktur) und Kultur. Das Projekt baut entsprechend auf fünf interdisziplinär arbeitenden, auf bestimmte Fragestellungen ausgerichteten Teilprojekten auf. Die interne Kohärenz und die externe Vernetzung werden mittels einer Gesamtprojektleitung, einem Querschnittsprojekt und zwei Koordinationsgruppen sichergestellt.

Die durch das Projekt gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnisse werden in folgenden Gefässen gesichert und der wissenschaftlichen Gemeinschaft zur Verfügung gestellt:

  • Erkenntnisse zu Einzelfragen in den Teilprojekten und im Querschnittsprojekt: Dissertationen, Aufsätze in Fachzeitschriften, wissenschaftliche Arbeitspapiere, Berichte von Forschungsworkshops;
  • Zusamenfassung der Erkenntnisse jedes Teilprojekts bzw. des Querschnittsprojekts: Bericht, Monografie oder Sammelband der Teilprojektleitenden, wo die wesentlichen Erkenntnisse aus dem Teil-/Querschnittsprojekt zusammenfasst werden;
  • Erkenntnisse des Gesamtprojekts: Zusammenfassender Bericht (Monografie) der Gesamtprojektleitung, voraussichtlich mit drei Teilen (Grundlagen, Methodik, Managementmodell)

 

 

In der Ausgabe 2016/1 der Richterzeitung sind mehrere Beiträge zu diesem Forschungsprojekt erschienen: http://richterzeitung.weblaw.ch/rzissues/2016/1.html

 

Die neuste Publikation zur Justizforschung: Arnold Marti "Schweizer Justizforschung - grosser Sprung nach vorn und neue Fragen",
in: Schweizerisches Zentralblatt für Staats- und Verwaltungsrecht (ZBl), 1/2016

 

In verschiedenen Medien (Tages-Anzeiger, Der Bund, Bernerzeitung) ist ein Beitrag zum Vertrauen in die kantonalen Gerichte mit einem Interview mit
Christof Schwenkel sowie weiteren Informationen zu unserem Forschungsprojekt und mit Einschätzungen von Arnold Marti erschienen (stellvertretender Link):

www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/gerichte-leisten-eine-gute-arbeit/story/10108278